Unser Oberbilk oder deren Oberbilk?

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Unser Oberbilk oder deren Oberbilk?

Vor kurzem hätte eine Großrazzia zwischen Ellerstraße und Mintropplatz nur Wenige über die Grenzen Düsseldorfs hinaus nachhaltig interessiert. Im Nachgang der schlimmen Ereignisse der Silvesternacht in Köln und anderen Städten haben sich nun (gefühlt) nahezu alle relevanten bundesweiten Medien mit Oberbilk beschäftigt. Die verschiedenen Darstellungen sind geeignet, dass wohl jeder seine eigene Wahrheit darin wiederfinden und über die sozialen Netzwerke verbreiten kann: Oberbilk – vom gelebten Multikulti bis zum rechtsfreien Raum. Allerdings ist die These, dass es hier keine nennenswerten Probleme gebe, genauso unredlich wie der Versuch, unseren Stadtteil als Beleg für eine ultimativ gescheiterte Zuwanderungspolitik zu instrumentalisieren.

In dieser Diskussion, die gerne mit starken Worten und fetten Überschriften geführt wird, sollten aber ein paar Aspekte nicht vergessen werden, damit am Ende nicht ein stigmatisierter Stadtteil mit weiterhin ungelösten Problemen zurückbleibt.

  • Bei den fragwürdigen Gestalten, die im Fokus der polizeilichen Ermittlungen stehen, handelt es sich offenbar meistens weder um Flüchtlinge noch um Personen, die dauerhaft in Oberbilk leben.
  • Offenbar handelt es sich um junge Männer aus Nordafrika, die in letzter Zeit in ihrer Heimat angeworben wurden und in der Regel nicht in Düsseldorf, sondern im Umland wohnen. Sie scheinen sich in dem bahnhofsnahen Quartier zu sammeln, um dort von Mittelsmännern in ihre dubiosen „Tagesaufgaben“ eingewiesen und ausgeschickt zu werden.
  • Unter den beschriebenen Zuständen leiden alle Anwohner, die hier leben, arbeiten und ihre Steuern bezahlen: alt eingesessene, zugezogene und zugewanderte Oberbilker!
  • Der Grundsatz, dass Strafverfolgung ohne Ansehen der Person zu erfolgen hat, hat auch für die Unterstützung der betroffenen Anwohner durch Politik, Verwaltung und Polizei zu gelten – in Oberbilk wie in Oberkassel.

Wie man in vielen Medien lesen bzw. sehen konnte, halten die Nachbarn zusammen und unterstützen die Polizei dabei, die Szene aufzurollen. Polizei und Ordnungsamt sind jetzt am Zug, das Quartier kurzfristig für zwielichtige Gestalten unattraktiv zu machen. Politik und Verwaltung haben in den letzten Jahren angesetzt, Möglichkeiten für eine Aufwertung des Stadtteils zu schaffen. Für eine langfristige und nachhaltige Verbesserung der Zustände müssen diese lokalen Anstrengungen einerseits weiter effektiv vernetzt werden. Andererseits müssen aber auch auf nationaler und internationaler Ebene die Voraussetzungen stimmen, dieser Form offenbar organisierter Kriminalität nachhaltig die Basis zu entziehen.

Auf ein Wort: Oberbilk wird weiter am Hauptbahnhof liegen – und Bahnhöfe sind leider immer auch Anziehungspunkt für zwielichtige Gestalten. Wer deshalb meint, er müsse auf Oberbilk herabsehen, der möge auch aus Angst vor der Kriminalität am Flughafen einen großen Bogen um die Stadtteile Lohausen und Stockum machen.

Florian Tussing

Stefan Kwasniewski